27 04 2012

Erschöpfungszustände im Sajama Nationalpark

 

Nachdem Björn letzten Donnerstag vom Huayna Potosi zurückkam, haben wir, auf der Suche nach einer 6.000er-Strategie für Mareike, bereits für Samstag eine neue Tour zusammengestellt. Dieses Mal wollen wir die Akklimatisationstufe von sonst La Paz (ca. 3.600m) auf über 4.000 legen, um eine bessere Ausgangssituation für ihre erfolgreiche 6.000er Besteigung zu haben.

Weltreise_Teil 5_Bolivien_04_ 016

Auf Empfehlung unseres deutschen Tour Operators vom Huayna Potosi entscheiden wir uns für den Acotango (6.069m) – der zweite Gipfel von links im Bild. Der Acotango ist im Vergleich zu den teilweise sehr steilen Passagen des Potosi ein relativ flach ansteigender Vulkan im Sajama National Park an der Bolivianisch-Chilenischen Grenze.

 

Weltreise_Teil 5_Bolivien_04_ 003

 

Das Gebiet haben wir bereits einmal von Arica (Chile) kommend passiert und dort liegt auch der höchste Berg Boliviens, eben der Sajama (6.542m).

 

  

 

Im Rahmen einer 4-Tages-Tour wollen wir also am zweiten Tag eine kleine Akklimatisationstour am Sajama machen, den dritten wieder ausruhen und am vierten Tag den Acotango besteigen. Übernachtet wird dazu im höher gelegenen Sajama Village (ca. 4.200m), einer kleinen Siedlung mit zwei Lodge Möglichkeiten und vielen Llama und Alpaca Herden.

Weltreise_Teil 5_Bolivien_04_ 099

Als wir nach 5 stündiger Fahrt von La Paz aus ankommen, erwarten uns diese süßen kleinen Lodges. Wieder einmal fühlt man sich wie in einer anderen Zeit – oder vielleicht eher wie bei den Schlümpfen. Das einzige Problem dabei. Die hatten keine Heizung – wir haben keine Heizung! Und dass, obwohl die Hochebene dort auch aufgrund ihrer etwas trockeneren Lage noch einmal deutlich kälter ist als beispielsweise La Paz. Man muss zwar dazu sagen, dass in Bolivien unserer Einschätzung nach niemand in diesen Lehmziegelbauten eine Heizung hat, aber das hilft uns nicht weiter 🙂 es ist einfach bitter kalt und daher haben wir inkl. unserer Schlafsäcke alles dabei was irgendwie warm hält.

Weltreise_Teil 5_Bolivien_04_ 073

Weltreise_Teil 5_Bolivien_04_ 087

Am zweiten Tag treffen wir nach dem Frühstück einen Guide, der uns von einer Anhöhe von 4.400m den Sajama hinaufführt. Am Base Camp (ca. 4.900m), nicht viel mehr als ein kleiner Steinwall und eine windgeschützte gemauerte Kochstelle, das die Sajama Besteiger als erste Übernachtungsstelle nutzen, machen wir kurz Pause.

Weltreise_Teil 5_Bolivien_04_ 098

Anschließend steigen wir mit Steigeisen noch ein Stück weiter bis 5.200Hm auf. Hier machen wir kehrt, da die Tour bereits lang genug ist und es danach in einen anderen Abschnitt geht, der noch lawinengefährdet ist. Bis zum Hochlager auf 5.600m kommt man daher eh nicht. Viel weiter wäre Björn auch nicht mehr gegangen, da er mittlerweile deutlich die Belastungen aus den beiden Potosi Besteigungen spürt.

 

Weltreise_Teil 5_Bolivien_04_ 049

Nach 6 ½ Stunden erreichen wir wieder unseren Fahrer, der uns in unser kleines „Schlumpfdorf“ bringt. Wir ordern sofort eine große Flasche Cola und stärken uns mit Schokolade – alles für Björn mittlerweile dringend benötigte Sofortenergie 🙂 – während uns die letzten Sonnenstrahlen vor der Hütte ein klein wenig warm halten. Dann schirmen Wolken die letzte Wärme ab.

 

In der Hütte ist es aber immer noch erheblich kälter als draußen und so versetzt einem der kalte Steinboden einen weiteren gefühlten Sofortenergieentzug auf dem Weg zur sparsam warmen Dusche. Im Schlafsack angekommen, reagiert Björns Körper mit Schüttelfrost und Fieber. Die Anstrengungen in der Höhe der letzten Tage, der Santiago Marathon, der nur 3 Wochen her ist und die allesdurchdringende Kälte zollen Tribut. Und so bleibt uns nichts anderes übrig, als am nächsten Tag nach La Paz zurückzufahren. Ordentliche Kalorienzufuhr und Ausruhen ist unverzichtbar geworden. Das Projekt Acotango wird fallengelassen.

 

Unsere Erfahrungen:

Es ist in Teilen schwer vorstellbar, dass die Anstrengung in dieser Höhe so viel höher ist, als z.B. in den Alpen, allein deswegen, weil sich das ganze tägliche Leben bereits auf fast 4.000m abspielt. Man ist gut akklimatisiert und merkt gar nicht so sehr, dass der Körper bei den noch höheren Touren doch enorm mehr Energie verbrennt und nicht nur mehr Kalorien sondern v.a. auch längere Ruhepausen braucht. Die eigene Fitness gleicht das eine Weile lang aus, man geht das mit, bis der Körper einem dann doch Warnsignale sendet. Also wieder piano – auch wenn einen die Gipfel noch so reizen.



Aktionen

Informationen

Schreib einen Kommentar

Du kannst diese Tags verwenden : <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>