25 04 2012

Auf dem Gipfel des Huayna Potosi (6.088m)

 

Während Mareike mit dem Koch in Laufe des Tages absteigt und nach La Paz zurückfährt, konnte Björn den Guide um einen Tag verlängern. Da es auf der unbeheizbaren Hütte 7 Grad kalt ist, wechseln sich Schlafsackaufenthalt und Teetrinken regelmäßig ab. Trotzdem kostet die Kälte viel Energie. Während die anderen 4-5 Teams bereits zwischen  1 und 1.30 Uhr losgehen, gehen wir wieder erst gegen 2 Uhr los. In einem Spurt, der mich im Nachhinein an anderer Stelle viel Kraft kosten sollte, haben wir allerdings alle anderen Teams auf dem Weg nach oben überholt.

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So erreichen wir nach 3.50h und etwas über 900Hm den Gipfel des Huayna Potosi um 5.41 Uhr, kurz bevor die Sonne am Horizont aufgeht.

 

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Die Anstrengung über die gesamte Zeit und besonders bei der Geschwindigkeit war sehr hoch und wäre in dem Tempo ohne das Marathontraining auch nicht zu halten gewesen; genau genommen war ich nach der Rückkehr so K.O. wie nach einem Marathon. Schlauer wäre gewesen, ich hätte auf ein etwas langsameres Tempo bestanden.

 

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Nach Sonnenaufgang, der endlich auch viel Wärme und Leben in Finger und Füße mit sich bringt, zeigt sich erst die ganze Schönheit der umliegenden Bergwelt. Immerhin war der gesamte Aufstieg im Dunkeln, da die Sonne am Potosi den Schnee ziemlich schnell erwärmt und ein längerer Aufstieg ohne zusätzlichen immensen Kraftaufwand gar nicht möglich wäre. Man blickt hinunter auf eine Unmenge an kleinen Berggipfeln des Massivs der Cordillera Real, die sich jetzt in ständig wechselnden Lichtverhältnissen offenbaren.

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Und es offenbart sich auch der Weg zum Gipfel selbst, den man die ganze Zeit im Vertrauen auf den Guide gegangen ist. Hier ein Rückblick beim Abstieg auf die übrigen Teams am Gipfel. Der Rückweg an sich ist zwar nicht unanstrengend, aber eine Wohltat im Vergleich zum Aufstieg und so sind wir nach 2 Stunden auch wieder unten in der Hütte auf 5.200m, bevor wir vollends zum Ausgangspunkt auf 4.800m absteigen.

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Hier noch einmal der Berg in seiner Frontansicht, wie wir ihn damals auf dem Weg zum Chacaltaya sehen konnten. Der Aufstieg erfolgt entlang der rechten Flanke. Für die letzten 150Hm wechselt der Aufstieg auf der Rückseite des Berges auf die linke Flanke.

 

 

 

Meine Erfahrung:

Zur Geschwindigkeit in der Höhe folgende Angaben für euch zur besseren Einschätzung, womit in dieser Höhe so zu rechnen ist:

200Hm pro Stunde sind eine sehr ordentliche Zeit und vermutlich auch nur mit guter Fitness zu erreichen. Das hängt natürlich auch immer davon ab, wie steil die Anstiege jeweils sind. Die meisten Touristen benötigen hier am Berg etwa 4 ½ bis 6 Stunden.

Nur zum Vergleich ein Wert, den wir in Neuseeland auf dem Routeburn Track erreicht haben. Dort haben wir beide mit vollem Gepäck für 3-4 Tage an einem 900m Anstieg 1,5 Stunden benötigt. Aber eben auch nur in der Klasse von 100m auf 1.000m.

Ab etwa 5.800m kann man sagen, bedeutet jeder Schritt ein tiefes Ein- und Ausatmen bevor der nächste kommt.



25 04 2012

Kehrtwende am Huayna Potosi

 

Der Huayna Potosi (6.088m) ist einer der Hausberge rund um La Paz. Und er ist unser erstes Ziel für einen 6.000er. Er ist technisch einfach zu besteigen, was aber längst nicht bedeutet, dass das Ganze ein Spaziergang ist. Mit über 10 Tagen Akklimatisierungszeit in La Paz und Umgebung halten wir uns für gerüstet. Und so engagieren wir uns einen zertifizierten Guide, einen Fahrer und Koch – so ist das hier üblich auf den Besteigungen – und los geht’s.

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Auf 4.800m werden wir abgesetzt. Es gibt dort noch ein Mittagessen und anschließend steigen wir mit unserem Gepäck knapp 350m zum Hochcamp auf.

 

 

 

 

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Das Hochcamp liegt auf 5.130m liegt. Das hört sich nicht viel an, ist aber bereits ein erster Test für den zweiten Tag. Das Wetter ist entgegen der Vorhersage ziemlich mies und teilweise schneit es auch und so kommt bereits unsere Schlechtwetterausrüstung zum Einsatz.

 

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 Für uns läuft dieser erste Teil problemlos, manch anderer kommt bereits nach Luft schnappend oben an und versucht den weiteren Gipfelanstieg am nächsten Tag gar nicht mehr.

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Zum Sonnenuntergang und kurz vor dem Zapfenstreich um 19 Uhr klart der Himmel doch noch auf und zeigt uns einen Ausschnitt der umliegenden Bergwelt. Wir haben keinerlei Kopfweh oder anderweitige Anzeichen von Höhenkrankheit. Was sollte also morgen noch schief gehen.

 

 

Nach 5 Stunden Schlaf stehen wir um 1 Uhr früh wieder auf. Nach kleinem Frühstück wird die volle Montur, bestehend aus warmer Kleidung, Wind-und Wetterschutz, Gamaschen, Steigeisen und Gurt angelegt. Draußen ist es kalt, wenngleich nicht ganz so kalt wie befürchtet, denn nachts haben Wolken den Berg wieder vollständig eingehüllt. Es windet glücklicherweise fast nicht, dafür schneit es stark. Bei Björn läuft es vermutlich aufgrund der Marathonvorbereitung gut. Mareike hat aber bereits nach 100Hm keine Kraft mehr in den Beinen und „wenig Luft in der Lunge“ – trotz der absolut problemlosen Vortagesetappe. Und so stapfen wir im Neuschnee noch weitere anstrengende 350Hm höher, bis wir auf 5.600m aufgeben und umdrehen müssen. Bei jeder Belastung fühlt es sich an wie eine Übersäuerung der Muskeln, sprich sauerstoffarmer anaerober Bereich – was es vermutlich auch ist. Sobald wir anhalten bzw. umdrehen, verschwindet das Gefühl sofort. Nur höher geht es heute nicht mehr und so erreichen wir gegen 6.30 Uhr wieder die Hütte und schlafen noch eine Runde. Mit uns sind noch einige umgekehrt bzw. gar nicht erst gestartet.

 

Unsere Erfahrung:

Offensichtich kann sich der Einfluss der Höhe von einem auf den anderen ganz deutlich verschieben. In den Alpen geht man mal heute hier und morgen dort auf eine Tour, ohne dass das eine allzu große Rolle spielt. Wir vermuten allerdings noch, dass eventuell auch die Atemtechnik dazu beigetragen haben könnte, denn bei einer darauffolgenden Tour haben wir hierbei Fortschritte gemacht. Es ist sicher sinnvoll, aktiv ein gutes Stück tiefer einzuatmen, als der Körper einem im Atemreflex vorgibt, weil er, sofern er in der Höhe nicht vollständig akklimatisiert ist, denkt, er braucht gar nicht so viel Luft – was bei der Anstrengung aber nicht standhält.

 

Was sehr gut geklappt hat, war unsere generelle Akklimatisierung. Wir hatten zu keiner Zeit Anzeichen der Höhenkrankheit wie Übelkeit, Magenverstimmung oder Kopfweh. Entgegen der „Vorhersagen“ haben wir auch auf der Hütte auf 5.200m hervorragend geschlafen 🙂



25 04 2012

17.4.-24.4. Eine Woche mit verschiedenen Hochgebirgstouren – und vielen Lerneinheiten…

 

Was ist alles passiert: Kehrtwende am Huayna Potosi, Auf dem Gipfel des Huayna Potosi, Erschöpfungszustände im Sajama-Nationalpark, Bye Bye Bolivia

 

Zu jedem dieser Geschichten folgen einzelne Einträge, um es für euch etwas übersichtlicher zu halten. Am Ende haben wir unsere Erfahrungen aus der jeweiligen Tour hinzugefügt. Das ist dann aber nicht als neue wissenschaftliche Errungenschaft zu verstehen und vermutlich kann man das auch in vielen Büchern lesen. Es ist lediglich Teil unserer zwar anstrengenden aber durchaus interessanten körperlichen Erfahrungen in dieser Höhe, die man in Teilen vermutlich immer auch erst einmal selbst machen wird, bevor man beurteilen und einschätzen kann, was andere schon einmal irgendwo aufgeschrieben haben – ihr werdet es ja gleich sehen, was gemeint ist.