27 04 2012

Bye Bye Bolivia

 

Wie wir bereits geschrieben hatten, hat uns Bolivien eh schon deutlich länger gefesselt als geplant. Da wir bzw. Björn nun einige Erholungstage benötigen, ist es insoweit eine gute Gelegenheit weiter nach Peru zu fahren, bevor wir von diesem Land gar nichts mehr sehen 🙂 . Zeit also Bolivien und insb. dem sehr liebgewonnenen La Paz tschüss zu sagen. Was sind also die großen oder kleinen Eigenheiten, die uns besonders an Bolivien erinnern werden:

–          Bolivien hat eine gelebte und unserer Erfahrung nach friedliche Streikkultur. In La Paz ging fast jeden Tag eine Demo die Hauptstraße hinunter. Mal waren es die Lehrer, mal die Ärzte oder mal wurde in der Hochebene, dort wo wir in Richtung Sajama gefahren sind, 4 Tage die gesamte Straße gesperrt (zum Glück, bevor wir dorthin wollten)

–          An jeder Straßenecke kann man sehr leckeres Popcorn kaufen, das ohne Übertreibung doppelt so groß wie unseres ist

–          Das sozialistische Land hat seine Telefonkosten deutlich besser unter Kontrolle als das (wir vermuten doch mal stark) marktwirtschaftlich orientierte Land Argentinien. Die Minute nach Europa kostet hier 6 Cent, in Argentinien wollte man ca. 1€. Fragt man sich, wer das ganze Geld bekommt? Es lebe das Monopol 🙂

–          Bolivien wird der Zukunftsmarkt für die Heizungsbranche. Wer hier infrastrukturlose Lösungen entwirft, wird Milliardär. So etwas wie Wireless Heating.

–          Bolivien hat eine Bergwelt, die ist einfach nur „wow“!!!!

–          Bolivien sollte sich der Filmwelt öffnen. Hier hätten schon viele Filme gedreht werden können

–          Wenn man die unzähligen personalintensiven (Kleinst-)Gewerbe sieht (zig Reifenverkäufer, Marktstände, Millionen Kioske, Autoteileverkäufer etc.) aufgereiht einer am anderen in ihren jeweiligen Vierteln), dann muss man feststellen, dass in diesem sozialistischen Land ein größerer Wettbewerb herrscht als bei uns, wo man in vielen Branchen durch Konzentration ständig Marktmissbrauch befürchten muss. Das große Problem dabei sind die sichtbaren Ineffizienzen, die durch völlige Atomisierung der Betriebe entstehen, die es – so scheint es für uns – kaum mehr möglich machen können, gut zu verdienen, bzw. geeignet sei können, einer Volkswirtschaft Produktivitätsfortschritte zu ermöglichen. Ein Beispiel: Ein kleiner Supermarkt würde zwar dafür sorgen, dass vermutlich hundert Kleingewerbetreibende ihren Job verlieren. Er würde aber einen deutlichen Produktivitätsfortschritt durch einheitliche Belieferung, bessere Qualität etc. ermöglichen und für die gleiche Verteilung von Waren vielleicht nur noch 20 Menschen benötigen. Das Problem dabei: die übrigen 80 dieser Bildungsschicht haben hier möglicherweise nicht die Bildungsmöglichkeiten in andere Berufe zu gehen. Auf der einen Seite hält es also alle immerhin auf niedrigem Niveau in Arbeit. Auf der anderen Seite hemmt es den Fortschritt.

–          Außenspiegel halten sich hier nicht an die gängigen Regeln der Physik. Die knallen nicht gegeneinander, um dann abzufallen. Die beamen sich gegenseitig durch sich durch. Ansonsten wäre es nicht zu erklären, wieso in hundert Situationen, in denen wir die sichere Kollision vermuteten, nichts passiert ist. Vielleicht liegt das an der Höhe.

–          Die Menschen sind sehr hilfsbereit,  freundlich und entspannt !!!

–          Wir kommen wieder – weil es hier noch so viel mehr zu entdecken gibt!

 

So ihr Lieben, das war es mit ein paar ernsten und ein paar hoffentlich amüsanten Eindrücken aus Bolivien. Klares Fazit: Man muss wieder den sog. Kulturschock überwinden. Aber nach ein paar Tagen, ist man auch hier angekommen. Dann ist Bolivien in jeder Hinsicht ein großartiges und spannendes Land.

Wir sind mittlerweile in Cuzco (Peru) angekommen, um uns den Macchu Picchu anzusehen.



27 04 2012

Erschöpfungszustände im Sajama Nationalpark

 

Nachdem Björn letzten Donnerstag vom Huayna Potosi zurückkam, haben wir, auf der Suche nach einer 6.000er-Strategie für Mareike, bereits für Samstag eine neue Tour zusammengestellt. Dieses Mal wollen wir die Akklimatisationstufe von sonst La Paz (ca. 3.600m) auf über 4.000 legen, um eine bessere Ausgangssituation für ihre erfolgreiche 6.000er Besteigung zu haben.

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Auf Empfehlung unseres deutschen Tour Operators vom Huayna Potosi entscheiden wir uns für den Acotango (6.069m) – der zweite Gipfel von links im Bild. Der Acotango ist im Vergleich zu den teilweise sehr steilen Passagen des Potosi ein relativ flach ansteigender Vulkan im Sajama National Park an der Bolivianisch-Chilenischen Grenze.

 

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Das Gebiet haben wir bereits einmal von Arica (Chile) kommend passiert und dort liegt auch der höchste Berg Boliviens, eben der Sajama (6.542m).

 

  

 

Im Rahmen einer 4-Tages-Tour wollen wir also am zweiten Tag eine kleine Akklimatisationstour am Sajama machen, den dritten wieder ausruhen und am vierten Tag den Acotango besteigen. Übernachtet wird dazu im höher gelegenen Sajama Village (ca. 4.200m), einer kleinen Siedlung mit zwei Lodge Möglichkeiten und vielen Llama und Alpaca Herden.

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Als wir nach 5 stündiger Fahrt von La Paz aus ankommen, erwarten uns diese süßen kleinen Lodges. Wieder einmal fühlt man sich wie in einer anderen Zeit – oder vielleicht eher wie bei den Schlümpfen. Das einzige Problem dabei. Die hatten keine Heizung – wir haben keine Heizung! Und dass, obwohl die Hochebene dort auch aufgrund ihrer etwas trockeneren Lage noch einmal deutlich kälter ist als beispielsweise La Paz. Man muss zwar dazu sagen, dass in Bolivien unserer Einschätzung nach niemand in diesen Lehmziegelbauten eine Heizung hat, aber das hilft uns nicht weiter 🙂 es ist einfach bitter kalt und daher haben wir inkl. unserer Schlafsäcke alles dabei was irgendwie warm hält.

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Am zweiten Tag treffen wir nach dem Frühstück einen Guide, der uns von einer Anhöhe von 4.400m den Sajama hinaufführt. Am Base Camp (ca. 4.900m), nicht viel mehr als ein kleiner Steinwall und eine windgeschützte gemauerte Kochstelle, das die Sajama Besteiger als erste Übernachtungsstelle nutzen, machen wir kurz Pause.

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Anschließend steigen wir mit Steigeisen noch ein Stück weiter bis 5.200Hm auf. Hier machen wir kehrt, da die Tour bereits lang genug ist und es danach in einen anderen Abschnitt geht, der noch lawinengefährdet ist. Bis zum Hochlager auf 5.600m kommt man daher eh nicht. Viel weiter wäre Björn auch nicht mehr gegangen, da er mittlerweile deutlich die Belastungen aus den beiden Potosi Besteigungen spürt.

 

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Nach 6 ½ Stunden erreichen wir wieder unseren Fahrer, der uns in unser kleines „Schlumpfdorf“ bringt. Wir ordern sofort eine große Flasche Cola und stärken uns mit Schokolade – alles für Björn mittlerweile dringend benötigte Sofortenergie 🙂 – während uns die letzten Sonnenstrahlen vor der Hütte ein klein wenig warm halten. Dann schirmen Wolken die letzte Wärme ab.

 

In der Hütte ist es aber immer noch erheblich kälter als draußen und so versetzt einem der kalte Steinboden einen weiteren gefühlten Sofortenergieentzug auf dem Weg zur sparsam warmen Dusche. Im Schlafsack angekommen, reagiert Björns Körper mit Schüttelfrost und Fieber. Die Anstrengungen in der Höhe der letzten Tage, der Santiago Marathon, der nur 3 Wochen her ist und die allesdurchdringende Kälte zollen Tribut. Und so bleibt uns nichts anderes übrig, als am nächsten Tag nach La Paz zurückzufahren. Ordentliche Kalorienzufuhr und Ausruhen ist unverzichtbar geworden. Das Projekt Acotango wird fallengelassen.

 

Unsere Erfahrungen:

Es ist in Teilen schwer vorstellbar, dass die Anstrengung in dieser Höhe so viel höher ist, als z.B. in den Alpen, allein deswegen, weil sich das ganze tägliche Leben bereits auf fast 4.000m abspielt. Man ist gut akklimatisiert und merkt gar nicht so sehr, dass der Körper bei den noch höheren Touren doch enorm mehr Energie verbrennt und nicht nur mehr Kalorien sondern v.a. auch längere Ruhepausen braucht. Die eigene Fitness gleicht das eine Weile lang aus, man geht das mit, bis der Körper einem dann doch Warnsignale sendet. Also wieder piano – auch wenn einen die Gipfel noch so reizen.