23 12 2011

Die Zeit in Queenstown ist seit zwei Wochen vorüber! Wir haben das Städtchen sehr lieb gewonnen – wie aus dem voran gegangenen Beitrag ersichtlich ist – und werden die netten Kneipen und Restaurants daher sehr vermissen. Jedenfalls ist QT zu einem Ort geworden, an den wir gerne zurückkehren – irgendwann einmal.

Im Folgenden sind die Strecke und die nachfolgenden Radetappen zusammengefasst, die wir bis zum Erreichen unseres momentanen Aufenthaltsorts, dem Mt. Cook Village hinter uns gebracht haben. Das Mt. Cook Village dient uns im Moment als neue Basis, von der aus wir verschiedene (Hütten-)Touren in das umliegende alpine Gelände unternehmen. Zudem werden wir hier Weihnachten und Neujahr verbringen.

 

Aber nun die Tage seit Queenstown:
Sa., 10.12.: Wir verschnüren wieder unsere Wanderrucksäcke zu einem großen Knäul – dieses Mal ohne Verpackung – und versenden sie inkl. Wanderschuhe sowie diverser Ausrüstung zum Mt. Cook Village. Da die Post hier, wie bereits erprobt, hervorragend arbeitet, haben wir keine Sorgen, dass wir dort unser alpines Material in Empfang nehmen können. Die Postschalterdame befestigt an den Rucksäcken mittels Kabelbinder lediglich folgenden Hinweis, geschrieben auf einem grauen Pappkarton: „ Björn Scheder, Post Restante, Mt. Cook“. Der Empfänger (üblicherweise das Postamt) ist ihr nicht bekannt, da die Post dort von irgendeinem Hotel in Empfang genommen würde. Naja, dann heißt es doch Daumen drücken, dass das Paket nicht auf den Mt. Cook hochgeflogen wird.

So.-Mi, 11.-14.12.: Wir radeln weiter über Cromwell (68km), Omarama (117km), Twizel (35km) bis zum Mt. Cook Village (67km). Darüber gibt es Folgendes zu berichten.
Die Strecke nach Cromwell geht durch das ansehnliche Weinanbaugebiet Gibbson Valley, das wir bereits im Rahmen der Weintour von Queenstown aus besucht haben. Der Rest ist eher uninteressanter Obstanbau. Hier arbeiten die ganzen deutschen Abiturienten und andere landesfremde Backpacker auf den Plantagen, um per Work&Travel ihre Reise zu finanzieren.
Der darauf folgende, überaus lange und anstrengende Trip nach Omarama mit unserem bisherigen Rekord von 117 km bei etwa 870 überwundenen Höhenmetern war der Tatsache geschuldet, dass es auf dieser Strecke über den Lindis Pass keine weiteren Übernachtungsmöglichkeiten außer dem Wildcampen gab. Wir saßen an diesem Tag 7 Stunden im Sattel und trainiert wurde vor allem eines: der Kopf. Die Fitness hatten wir bereits. Jedoch mussten wir hinnehmen, dass uns der Wind auf den ersten 85 km bis zum Pass frontal und äußerst heftig entgegen blies. Es wurde zu einer weiteren mentalen Prüfung, dass ausgerechnet bei Erreichen des Anstiegs die Wolken verschwanden und die Temperatur auf unserer Anzeige auf 34° C anstieg. Ein Brathähnchen fühlt sich sicherlich ähnlich. Schließlich war die Kilometeranzahl bis zum Pass 2km länger als wir lt. unserem Tacho erwartet hätten. Bei einer Geschwindigkeit von 5km/h bergauf und entsprechender Steigung kommt Freude auf 🙂 Oben auf dem Pass angekommen, brach bei Björn eine Speiche. Da der Tag noch lang genug werden würde, haben wir beschlossen, diese erst am Campingplatz zu reparieren, in der Hoffnung dass der leichte Achter keinen weiteren Schaden anrichtet. Ersatzspeichen haben wir immerhin ausreichend dabei.
Nach diesen Prüfungen gab es dann endlich ein Einsehen und wir hatten die restlichen 30km, die nur noch bergab gingen, immerhin Rückenwind, was uns auch auf den nur noch schwach abfallenden Streckenteilen eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 30km/h brachte und wir wenigsten in der letzten Stunde zum Zeltplatz regelrecht katapultiert wurden. Ein kühles Cider in der erstbesten Kneipe war eine erfrischende Belohnung nach der langen Tour.

Lindis Pass

Lindis Pass

 

Die Kurzetappe nach Twizel war nicht sonderlich erwähnenswert; dafür umso mehr die darauffolgende Etappe zum Mt. Cook Village. Wir haben eine kurze Regenpause genutzt, um nach langem Zögern und mehreren Überbrückungskaffee den Weg zum Mt. Cook anzutreten, weil ein weiterer Tag in dem 1000 Selendorf Twizel auch nicht der Hit gewesen wäre. Von da an fuhren wir allerdings die nächsten 3 Stunden im Regen am Lake Pukaki vorbei. Immerhin hielten uns unsere Regenkleidung und Trackingschuhe trocken – mit Ausnahme des Regens der von Mareikes Hose in den Schaft lief 🙂 Nach einer weiteren Kaffeepause und neuen Socken ist aber auch dieses Problem behoben. Der Regen wurde auf den letzten 15 km von Gegenwind abgelöst. Dieser war jedoch so stark, dass wir teilweise kaum voran kamen – insbesondere, wenn 2 Täler zusammen liefen, brachte der Düseneffekt einen unmenschlichen Gegenwind hervor.

Hier ein kleines Zahlenbeispiel:
Ohne Wind fahren wir auf ebener Strecke mit bepackten Rädern 16-18 km/h. Mit ordentlichem Rückenwind kann das bis 25 km/h ansteigen. Bei gutem Gegenwind kann das schnell auf 10 km/h abfallen. Das Minimum, das wir teilweise auf dem Weg zum Mt. Cook hatten, waren 6 km/h. Somit liegen bis zu 20 km/h zwischen den Extremen und bis zu 10 km/h Abweichung von der Normalgeschwindigkeit, wobei die Kilometer noch in entsprechender Langsamkeit „nachgeholt“ werden müssen. Somit könnt ihr euch nun vorstellen, wie einem das die Tagesbilanz und die benötigte Zeit versauen und eine Etappe bedeutsam verlängern kann.

Eigentlich dachten wir auf folgende Bergkulisse (Vortag in Twizel) zufahren zu können. Leider wurde durch die tief hängenden Wolken nichts daraus.

Weltreise_Teil 3_Neuseeland07_ 030



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