23 12 2011

Nachdem wir euch sonst immer regelmäßig über die neuesten Aktivitäten und Streckenverläufe informieren, möchten wir euch in diesem Beitrag wieder einmal ganz andere Dinge nahe bringen: Dinge über uns, unsere Umgebung, unsere Eindrücke, die uns so begleiten sowie einiges aus dem Kuriositätenkabinett. Das Ganze ist ortsungebunden, passiert gerade oder ist längst geschehen. Es soll auch nicht wertend sein – einfach nur beschreibend.

– Gerade z.B. schlürft ein Asiate neben uns in der Lodge sein Abendessen, dass das Haus zittert und vermutlich alle Europäer mit ihm. Seine Freundin genießt laut schmatzend das leckere Mahl. Alle, die bereits Asien kennen, wissen, dass das immerhin dort kein unsittlicher Umgang ist. Es gibt vermutlich Dinge, an die man sich nicht gewöhnen wird – auch nicht muss. Das Mt. Cook Village ist jedenfalls hoch frequentierter Anlaufpunkt des asiatischen Tourismus‘.

– Durch unsere sportlichen Eskapaden – der eine mag mit uns eifern, der andere sie für verrückt halten – sorgen dafür, dass wir seit 2 Monaten fast täglichem Sport mittlerweile wieder Gürtel in so manche Hose einziehen müssen. An 40 von 60 Neuseeland-Tagen waren wir entweder mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs. I.d.R. bedeuten die Tagesetappen zwischen 4 und 5 Stunden Ausdauersport. Selten sind sie unter 3 Stunden in der Spitze auch mal 6 oder 7 Stunden lang, letzteres überwiegend beim Wandern. Und ob ihr es glaubt oder nicht: es macht immens Spaß 🙂 der Rest ist dann Kopfsache, wie im letzten Artikel beschrieben.

– Die Fitness, die wir beim Radfahren auf- und nun beim Wandern ausgebaut haben, ist neben dem Spaß mitunter ganz bewusst betrieben und unterstützt uns bei schweren Etappen, während wir auf normalen Etappen nie mehr als 80% geben müssen. Gerade aus Sicherheitsaspekten ist das sich schnell verändernde Wetter ein ernst zu nehmender Faktor und kann schnell konditionell herausfordernd werden. Sei es, weil sich die Tourenzeiten deutlich verlängern oder Wind und Kälte auszehren können. Gerade für die kommenden Wanderungen in Feuerland und den höher gelegenen Andenregionen glauben wir damit u.a. eine sehr gute konditionelle Grundlage gelegt zu haben.

– Uns haftet mittlerweile die typische Radfahrerbräune an, das aber nicht zu knapp.

– Cider (im Prinzip Apfelbier mit 4,8%) ist unglaublich schmackhaft nach einer Radtour.

– Eine Uhr mit Höhenmesser, Temperaturmesser und Zeitzonen ist ein unverzichtbares Utensil. In der Tat hat uns der Höhenmesser insbesondere im alpinen Bereich gute Dienste geleistet, da hier die Tracks nicht so regelmäßig beschildert sind wie in den Alpen. Daher ist er sowohl für die Standortbestimmung und somit für die Einschätzung der noch ausstehenden Wegstrecke von erheblicher Bedeutung.

– Zelten im alpinen Gelände ist offenbar Sport hier. Wir haben bereits ein Pärchen und einen Asiaten getroffen, die auf Fels, aber in Schnee und Eis gezeltet haben; mehrere Tage lang. Reizen würde uns das auch, vielleicht erst einmal neben einer Hütte, passende Heringe haben wir jedenfalls dabei – die Schlafsäcke, die ihr uns zur Hochzeit geschenkt habt, sind dafür jedenfalls bestens geeignet.

– Die Preise für Unterkunft und Essenskäufe (interessanterweise aber nicht im Restaurant) sind im Mt. Cook Village unverschämt hoch (was hier bedeutet: doppelt so hoch). Es wird suggeriert, dass es damit zusammenhängt, dass man sich hier bereits in der scheinbaren Abgeschiedenheit der Neuseeländen Southern Alps befindet. Dabei liegt das Örtchen mit 50km vom nächsten genauso kleinen Örtchen mit riesigem Supermarkt nicht irgendwie ganz weit abseits, wie man meinen könnte. Vielmehr scheint es hier ein lokales Tourismuskartell zu geben, das einem das letzte Hemd auszieht – wir sagen es ungern, vermutlich leider entstanden durch den (Asia-)Touri-Hotspot um den Mt. Cook, der sich hier etabliert hat. Das Hermitage Hotel oben verlangt von seinen Besuchern bis zu 500$ Nacht. Dabei geht keiner von den wohlhabenden Kollegen auch nur einen Meter über die beinahe geteerten Wanderwege im Umkreis von 3km hinaus; es sei denn er nimmt den Heli oder das Flugzeug, die bei gutem Wetter wie Fliegen am Himmel rumdüsen. Falls jemand von euch gute Kontakte zur Europäischen oder Neuseeländischen Kartellbehörde hat – hier gibt’s noch viel zu tun 🙂

– Wir haben für uns entdeckt, dass das zwischenzeitliche Versenden von Reisematerial (wie unseren Rucksäcken) absolut sinnvoll ist, weil man dadurch die Unternehmungen nicht eingrenzen und gleichzeitig aber nicht alles mitschleppen muss. Funktioniert aber vermutlich nur in Ländern mit verlässlichem Postsystem.

– Unglaublich aber wahr: es wurden sogar Schafe bei der Besteigung des Mt. Cook erwischt. Wir haben uns das leider nicht zugetraut.

Die sogenannten Sir Hillary Schafe des Mt. Cook

Die sogenannten Sir Hillary Schafe des Mt. Cook

– Björn’s zweite Zahnwurzelbehandlung in Queenstown war erfolgreich und hat bislang zu keinen weiteren Nachwirkungen mehr geführt. Dank der telefonischen und internetbasierten Unterstützung unseres lieben Freundes Dr. med. AK (manche von euch kennen ihn) kann Erfolg auf dem Gebiet der fortgeschrittenen Kariesbekämpfung gemeldet werden. In Südamerika hätten sie den Backenzahn vermutlich direkt entfernt. So erfreut er sich hoffentlich noch vieler Jahre.

– Macht nie den Fehler und geht zu zweit mit einem Kindle auf Reisen. Wir haben diesen Beinahe-Fehler noch kurz vor Abreise korrigiert, dank des Schnellversands von Amazon. Es wäre niemals gut gegangen. Besonders gefällt uns an diesen Geräten – neben den Büchern darauf – dass wir über den Download der guten alten „Zeit“ oder anderen Tageszeitungen bestens über euch, Deutschland und die Welt informiert sind.

– Die Neuseeländer sind unglaublich hilfsbereite, integere und verlässliche Menschen. Der Nachteil dabei – es haftet etwas Pedantisches daran. Auf den Toilettenpapierrollen-Spendern steht sogar drauf, welche Rolle zuerst zu verbrauchen ist 🙂 Vermutlich fällt eine Axt aus der Decke, wenn man sich nicht dran hält.

– Die neuseeländischen Zeitungen sind wie unsere vor etwa 30 Jahren oder wie die Bildzeitung bzw. mancher amerikanische Nachrichtensender heute, was die politische oder wirtschaftliche Bildung angeht. Man erfährt hier nichts über den Rest der Welt. Die Eurokrise existiert in Printmedien fast gar nicht. Der gesamte Politikteil ist eine Seite groß und nicht immer von interessanten Beiträgen gekrönt. Man ist eben gefühlt doch weit weg von der Weltpolitik, solange der Touristenstrom nicht abreißt, was nicht zu erwarten ist, da insbesondere die Asiaten das Land für sich entdeckt haben – ein friedvolles Hobbitland.



23 12 2011

Die Zeit in Queenstown ist seit zwei Wochen vorüber! Wir haben das Städtchen sehr lieb gewonnen – wie aus dem voran gegangenen Beitrag ersichtlich ist – und werden die netten Kneipen und Restaurants daher sehr vermissen. Jedenfalls ist QT zu einem Ort geworden, an den wir gerne zurückkehren – irgendwann einmal.

Im Folgenden sind die Strecke und die nachfolgenden Radetappen zusammengefasst, die wir bis zum Erreichen unseres momentanen Aufenthaltsorts, dem Mt. Cook Village hinter uns gebracht haben. Das Mt. Cook Village dient uns im Moment als neue Basis, von der aus wir verschiedene (Hütten-)Touren in das umliegende alpine Gelände unternehmen. Zudem werden wir hier Weihnachten und Neujahr verbringen.

 

Aber nun die Tage seit Queenstown:
Sa., 10.12.: Wir verschnüren wieder unsere Wanderrucksäcke zu einem großen Knäul – dieses Mal ohne Verpackung – und versenden sie inkl. Wanderschuhe sowie diverser Ausrüstung zum Mt. Cook Village. Da die Post hier, wie bereits erprobt, hervorragend arbeitet, haben wir keine Sorgen, dass wir dort unser alpines Material in Empfang nehmen können. Die Postschalterdame befestigt an den Rucksäcken mittels Kabelbinder lediglich folgenden Hinweis, geschrieben auf einem grauen Pappkarton: „ Björn Scheder, Post Restante, Mt. Cook“. Der Empfänger (üblicherweise das Postamt) ist ihr nicht bekannt, da die Post dort von irgendeinem Hotel in Empfang genommen würde. Naja, dann heißt es doch Daumen drücken, dass das Paket nicht auf den Mt. Cook hochgeflogen wird.

So.-Mi, 11.-14.12.: Wir radeln weiter über Cromwell (68km), Omarama (117km), Twizel (35km) bis zum Mt. Cook Village (67km). Darüber gibt es Folgendes zu berichten.
Die Strecke nach Cromwell geht durch das ansehnliche Weinanbaugebiet Gibbson Valley, das wir bereits im Rahmen der Weintour von Queenstown aus besucht haben. Der Rest ist eher uninteressanter Obstanbau. Hier arbeiten die ganzen deutschen Abiturienten und andere landesfremde Backpacker auf den Plantagen, um per Work&Travel ihre Reise zu finanzieren.
Der darauf folgende, überaus lange und anstrengende Trip nach Omarama mit unserem bisherigen Rekord von 117 km bei etwa 870 überwundenen Höhenmetern war der Tatsache geschuldet, dass es auf dieser Strecke über den Lindis Pass keine weiteren Übernachtungsmöglichkeiten außer dem Wildcampen gab. Wir saßen an diesem Tag 7 Stunden im Sattel und trainiert wurde vor allem eines: der Kopf. Die Fitness hatten wir bereits. Jedoch mussten wir hinnehmen, dass uns der Wind auf den ersten 85 km bis zum Pass frontal und äußerst heftig entgegen blies. Es wurde zu einer weiteren mentalen Prüfung, dass ausgerechnet bei Erreichen des Anstiegs die Wolken verschwanden und die Temperatur auf unserer Anzeige auf 34° C anstieg. Ein Brathähnchen fühlt sich sicherlich ähnlich. Schließlich war die Kilometeranzahl bis zum Pass 2km länger als wir lt. unserem Tacho erwartet hätten. Bei einer Geschwindigkeit von 5km/h bergauf und entsprechender Steigung kommt Freude auf 🙂 Oben auf dem Pass angekommen, brach bei Björn eine Speiche. Da der Tag noch lang genug werden würde, haben wir beschlossen, diese erst am Campingplatz zu reparieren, in der Hoffnung dass der leichte Achter keinen weiteren Schaden anrichtet. Ersatzspeichen haben wir immerhin ausreichend dabei.
Nach diesen Prüfungen gab es dann endlich ein Einsehen und wir hatten die restlichen 30km, die nur noch bergab gingen, immerhin Rückenwind, was uns auch auf den nur noch schwach abfallenden Streckenteilen eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 30km/h brachte und wir wenigsten in der letzten Stunde zum Zeltplatz regelrecht katapultiert wurden. Ein kühles Cider in der erstbesten Kneipe war eine erfrischende Belohnung nach der langen Tour.

Lindis Pass

Lindis Pass

 

Die Kurzetappe nach Twizel war nicht sonderlich erwähnenswert; dafür umso mehr die darauffolgende Etappe zum Mt. Cook Village. Wir haben eine kurze Regenpause genutzt, um nach langem Zögern und mehreren Überbrückungskaffee den Weg zum Mt. Cook anzutreten, weil ein weiterer Tag in dem 1000 Selendorf Twizel auch nicht der Hit gewesen wäre. Von da an fuhren wir allerdings die nächsten 3 Stunden im Regen am Lake Pukaki vorbei. Immerhin hielten uns unsere Regenkleidung und Trackingschuhe trocken – mit Ausnahme des Regens der von Mareikes Hose in den Schaft lief 🙂 Nach einer weiteren Kaffeepause und neuen Socken ist aber auch dieses Problem behoben. Der Regen wurde auf den letzten 15 km von Gegenwind abgelöst. Dieser war jedoch so stark, dass wir teilweise kaum voran kamen – insbesondere, wenn 2 Täler zusammen liefen, brachte der Düseneffekt einen unmenschlichen Gegenwind hervor.

Hier ein kleines Zahlenbeispiel:
Ohne Wind fahren wir auf ebener Strecke mit bepackten Rädern 16-18 km/h. Mit ordentlichem Rückenwind kann das bis 25 km/h ansteigen. Bei gutem Gegenwind kann das schnell auf 10 km/h abfallen. Das Minimum, das wir teilweise auf dem Weg zum Mt. Cook hatten, waren 6 km/h. Somit liegen bis zu 20 km/h zwischen den Extremen und bis zu 10 km/h Abweichung von der Normalgeschwindigkeit, wobei die Kilometer noch in entsprechender Langsamkeit „nachgeholt“ werden müssen. Somit könnt ihr euch nun vorstellen, wie einem das die Tagesbilanz und die benötigte Zeit versauen und eine Etappe bedeutsam verlängern kann.

Eigentlich dachten wir auf folgende Bergkulisse (Vortag in Twizel) zufahren zu können. Leider wurde durch die tief hängenden Wolken nichts daraus.

Weltreise_Teil 3_Neuseeland07_ 030