15 05 2012
Der Nevado Pisco (5.720m) – unsere nicht ganz gelungene, aber wunderschöne Abschlusstour
Auf der Flucht vor der schlechten Wettervorhersage für das kommende Wochenende beginnen wir bereits am letzten Mittwoch eine letzte 3-Tage-Tour zur Besteigung des Nevado Pisco. Es gibt natürlich auch noch jede Menge Trekking Touren hier, aber wir wollen die Cordillera Blanca noch gerne von oben sehen, bevor wir unsere Wanderschuhe für längere Zeit wieder an den Nagel hängen.

Für die Tour benötigen wir einen Guide, einen Pferdetreiber und drei Pferde, die uns jede Menge Gepäck ins Basislager auf 4.600m transportieren. Für uns bedeutet dieser erste Tag ebenfalls nicht unanstrengende 700m Aufstieg, wenn auch nur mit leichtem Tagesrucksack.
Außer uns sind noch nicht viele Bergsteiger im Camp. Im Juli soll es hier aber zugehen wie auf dem Münchner Oktoberfest. Da die Pferde wesentlich mehr tragen können als ein menschlicher Träger, haben wir ein hübsches Gemeinschaftszelt.
Doch auch bei der weiteren Ausstattung und beim Essen kennt der Luxus unseres Touroperators offenbar keine Grenzen. Wir haben Stühle, einen Tisch samt Tischdecke und man beachte vor allem die Zuckerdose und das frisch selbstgemachte Popkorn. Es fehlt nur das Nutella zum Frühstück, dafür macht uns der Guide am Abend herrlich angebratene Forelle beträufelt mit Zitrone an Kartoffeln und frischen Karottenschnittchen 🙂
Der Pisco im Mondschein und Sternenhimmel – Am nächsten Morgen geht es wie immer gegen 1:30 Uhr los. Der Chachani steckt uns noch in den Knochen und die Motivation hält sich beim x-ten Mal frühem Aufstehen in Grenzen. Die Aussicht auf die folgende 12-13 Stunden Tour bei über 1.200 zu überwindenden Höhenmetern führt dazu, dass sich bei Mareike die Beine bereits zu Beginn schon ziemlich kraftlos und die Schritte schwer anfühlen.
Die Tour beginnt mit der Durchquerung eines völlig von einer dicken Schicht Geröll bedeckten Gletschers. Dessen beiden Seitenmoränen bestehen wie bei Moränen üblich aus sehr lockerem Geröll, was die Sache im Dunkeln zusätzlich erschwert.
Als wir nach drei Stunden Gletscher- und Moränendurchquerung am Schneefeld und eigentlichen Beginn des Anstiegs auf den Pisco ankommen, müssen wir bereits einsehen, dass es für Mareike nicht weitergeht. Auch hier lernen wir dazu, dass man bei den Anstrengungen in dieser Höhe nicht „mal eben noch eine Abschiedstour“ gehen kann, wenn man nicht 100% mental davon überzeugt ist – und dann sowieso noch einen vorherigen Berg in den Beinen hat.
Da wir uns kurz vor dem wärmenden Sonnenaufgang befinden, ist es möglich, dass Mareike im sog. „Moränen Camp“ zurück bleibt. Die Steinebene ist im Moment leer, wird aber sonst auch zur Besteigung des Pisco und umliegender 6.000er benutzt.
Björn und der Guide steigen weiter auf dem Gletscher. Auf einem Hochplateau 200m unterhalb des Gipfels (5.720m) entscheidet sich Björn aber ebenfalls zur Umkehr. Zum einen soll Mareike nicht mehr als 4 Stunden bei der mittlerweile leicht aufziehenden Bewölkung warten müssen und zum anderen sind auch bei Björn Geist und Kraft stark strapaziert.
Das Ziel, von hier aus Teile der Cordillera Blanca von oben zu sehen, ist auch hier bereits erreicht. Die Sicht hätte sich nicht wesentlich verbessert, weil die umliegenden Bergketten aufgrund ihrer Höhe eh den Blick auf die restliche Cordillera versperren (die Umgebungsbilder sind bereits im letzten Eintrag zu sehen).

Was zurück bleibt, ist ein in Watte gehüllter Pisco, mit einer Unmenge an zerklüfteten Gletscherspalten, die wir in sicherer Entfernung umgehen – einfach fantastisch anzusehen. Kurz vor dem Erreichen der Schneegrenze überholt uns noch ein irrer Ami aus Colorado, der hier mit seinen Skiern aufgestiegen ist, um eine Abfahrt zu genießen.
Am Moränen Camp, das trotz Bewölkung immer in einem kleinen wärmenden Sonnenloch lag, wartet Mareike und übernimmt sogar den kompletten Rucksack bei der folgenden Rückkehr, was Björn sehr entgegen kommt, der zuerst eine ordentliche Erholungspause braucht.

Es geht zurück über die Moränen und den steinbedeckten Gletscher in der Mitte. Auch wenn der Rückweg nicht leichter ist, so ist doch der Anblick bei Tageslicht überwältigend. Zurück am Camp, wechseln wir ab zwischen schlafen, Tee, schlafen, den besten Bergspaghetti ever und wieder schlafen 🙂
Wir haben zwar gehofft, den Pisco ganz zu besteigen, aber wir sind mittlerweile froh, dass jeder nach seiner Kraft die Umkehr beschlossen hat. Wir sind – wie auch bei anderen Erlebnissen in dieser Höhe – einmal mehr beeindruckt, als wir erkennen, dass man auch vom Kopf her absolut willens sein muss, um oben anzukommen. Zu groß sind die Anstrengungen hier oben, als dass man eben noch eine Schlusstour auf einen Fünf-Siebener einschiebt 🙂 Wir sind allerdings auch froh diese Erfahrungen heute zu machen, wo wir Zeit für alles inkl. Erholung haben. Denn auch für uns sind Bolivien und Peru die ersten Erfahrungen über 4.000m überhaupt.

Die Bergwelt dort war es aber allemal wert, dass wir noch eine Tour dorthin gemacht haben. Und da unser Guide für eine sehr schmackhafte, ausgewogene und dennoch kalorienreiche Küche gesorgt hat, stehen wir die am dritten Tag folgende 5 Stunden Trekking Tour gut durch.

Die Abstiegstour geht ungleich dem Aufstieg zum Base Camp über einen Pass in ein Nebental, vorbei an der tiefblauen Laguna 69 und einigen hübschen Wasserfällen.
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So viel Schnee! Fast wie bei uns hier gerade. ;o)