7 02 2012
Feuerland auf seine raue, ungeschützte und gleichzeitig doch wieder so beeindruckend schöne Weise!
Es geht weiter mit einer recht ausführlichen, bilderreichen Dokumentation des 5-tägigen Dientes de Navarino Trails, mit der wir euch gerne etwas detaillierter diese besondere Gegend und der sie beherrschenden Naturgewalten beschreiben wollen. Also fangt am besten nur an zu lesen, wenn ihr ausreichend Zeit dafür habt 🙂 In der Hoffnung, dass es euch interessiert, lassen wir uns auch etwas über wesentliche Aspekte der benötigten Ausrüstung aus.
Direkt im Anschluss an unsere Überfahrt von Ushuaia nach Puerto Williams auf der Isla Navarino, deponieren wir einiges Gepäck in einem Hostel und beginnen am 26.1. gegen 13 Uhr den Dienstes de Navarino Trail mit der bereits vorbereiteten Ausrüstung. Die Sonne scheint bei blauem Himmel, was selten genug vorkommt.
Hafeneinfahrt Puerto Williams – im Hintergrund die „Dientes“ Gebirgskette
Die wichtigsten Teile unserer Ausrüstung umfassen Folgendes:
– Guter Regenschutz inkl. Rucksacküberzug
– Handschuhe und Mütze
– Thermounterwäsche, Pulli und dicke Daunenjacke für nach dem Wandern (welche grandioser Weise auf Größe eines Handballs gepackt werden kann)
– Unsere Winter-Schlafsäcke mit Komfortbereich -5 Grad 🙂
– Essen für 5 Tage plus ein Notfallessen, falls wir wegen Schlechtwetter pausieren müssen (Morgens Müsli mit Milchpulver, mittags Energieriegel und Kekse, abends Nudeln oder Reis)
– Erste Hilfe Set und Bivacksack, Zelt

Nach 450 Höhenmetern oder 1 1/2h Aufstieg benötigen wir kurz vor dem Cerro Bandero umgehend die Regenausrüstung, so schnell hat sich das Wetter ins Gegenteil verkehrt.
Nach dem Cerro Bandero, von dem man trotz Regen noch eine schöne Aussicht über den Beagle Kanal hat, geht es weiter über eine Anhöhe und oberhalb der Baumgrenze entlang der Westseite eines Bergrückens. In den letzten 3 Stunden bis kurz vor unserem Rastplatz setzt sehr heftiger Regen, begleitet von Starkwind, ein, der uns durch die vorherrschenden westlichen Windrichtungen voll trifft. Unsere Finger lassen sich am Ende durch die Kälte kaum mehr bewegen, geschweige denn folgen sie den Befehlen des Gehirns, da wir unsere Handschuhe nicht dem Regen opfern und sie für danach trocken halten wollen.

Als wir am Rastplatz ankommen, dürfen wir uns nach dieser Anstrengung wenigstens noch über einen regenfreien Zeltaufbau und Abend freuen. Wir haben in den völlig durchnässten und mit Bächen durchzogenen Wiesen noch einen vergleichsweise trockenen Untergrund gefunden, in dem die Heringe gut halten. Jetzt wird als erstes das Gepäck sortiert und geprüft, was noch trocken ist. Der Rest kommt in die Büsche zum Trocknen, dann gibt es wärmenden Tee. Beim Abendessen, gegen 20 Uhr, haben wir eine Temperatur von 6 Grad C. Neben uns versuchen sich ein spanisch sprechendes Pärchen und zwei Tschechen am Lagerfeuer zu trocknen, was wegen der Nässe aber auch nicht wirklich klappt. Nach uns kommen immerhin doch noch drei Parteien an, die letzte um 21.30 Uhr.

Am nächsten Morgen begrüßt uns glücklicherweise die Sonne wieder. Wir lassen uns Zeit mit dem Aufbruch und können so die letzten nassen Wanderklamotten, v.a. aber unsere Rucksackträgergurte trocknen. Um 11 Uhr steigen wir auf der Nordseite der Dientes-Kette oberhalb der Vegetationszone zu einem Pass auf. Wir sehen von oben, dass ein Pärchen, das gestern noch spät angekommen ist, bereits wieder umdreht.

Nach dem Pass umrunden wir die Dientes auf der Ostseite und sehen auf der Südseite in der Ferne bereits die Inseln des Cape Horn Nationalparks. Auf der Südseite geht es nun in Richtung Westen, entlang unzähliger Bergseen bzw. „Lagunen“, die fast alle durch Biberhand entstanden sind. Diese wurden von der Argentinischen Regierung eingeführt, weil man glaubte, den Pelzhandel damit ankurbeln zu können. Geklappt hat das nicht und so sorgen nun 40.000 Biber auf der Isla de Navarino dafür, dass rund um die Lagunen keine Bäume mehr stehen.

Der Weg wird uns auf der Route teilweise durch Markierungen, v.a. aber durch unzählige Steinmännchen angezeigt. Den Track selbst gibt es erst seit 2001 und das ein oder andere Mal sollte uns die Markierung auch Schwierigkeiten bereiten.

Als wir am Übernachtungsplatz 2 ankommen, entscheiden wir uns, noch zwei Stunden weiterzugehen – ca. die 1. Hälfte der 3ten Strecke. Wir haben während dessen eine wunderbare Aussicht auf die ganze Südseite der Dientes-Kette, insbesondere als uns der Weg über einen weiteren Pass führt. Oben treffen wir die Tschechen vom Vorabend, die ebenfalls den gleichen Entschluss gefasst hatten.

Wir wollen den Track entweder in 4 Tagen laufen oder einen weiteren Schlechtwetterpuffer nutzen können. Bei dem heutigen guten Wetter kommen wir auch hervorragend voran; die Etappen sind aufgrund des Wetters und der Abgeschiedenheit eh nicht länger als 5 Stunden gewählt worden.

Im Anschluss geht es bergab über große und kleine Geröllfelder bis wir nach 6 ½ Stunden Wandern unseren Schlafplatz finden. Der Abend ist trotz des guten Wetters aber nicht viel wärmer als der erste. Es ziehen zwar Wolken auf, regnet allerdings erst in der Nacht. Wasser kann übrigens aus jedem Fluss ohne weitere Behandlung entnommen werden.

Da morgens das Wetter in Feuerland meistens erst in Fahrt kommen muss, bis es seine unschöne Seite zeigt, haben wir auch heute Morgen noch einmal Glück. Der Tag beginnt mit strahlend blauem Himmel. Nach dem Frühstück wird noch die ein oder andere Blase behandelt und dann geht es los. Die nächsten 1 ½ Etappen wollen bewältigt werden.

Wir umrunden die Dientes-Kette dieses Mal auf der Westseite und passieren wieder eine Unzahl an gestauten Lagunen; natürlich Biberwerk.

Wir sind mittlerweile wieder in der Baumgrenze angekommen und so queren wir immer wieder auch Sumpflandschaften, Matsch oder Bäche, die das viele Regenwasser sammeln oder abtransportieren. Die Aussicht bleibt nach wie vor fantastisch. Nach einem Aussichtspunkt beginnt für uns ein insgesamt 2-stündiger Umweg. Wir haben die Markierung verloren und die vielen, von dort aus in unterschiedlich falsche Richtungen führenden Fußspuren sind uns keine Hilfe mehr. Als uns unsere Wegauswahl nach einer Stunde wegen der großen Zerklüftung des Tals und der aufgestauten Biberdämme (jetzt sollte uns besser keiner begegnen) nicht weiterbringt kehren wir um und versuchen über das Tal in Richtung unseres nächsten Passes zu queren, um gegebenenfalls auf den richtigen Anstieg zu treffen.

Das gelingt auch, wenn auch leider erst nahe des Aussichtspunkts. Immerhin sind wir erleichtert als wir wieder unsere „geliebten“ Steinmännchen sehen. Einer bekommt dafür von uns einen extra Hut aufgesetzt. Der anschließende Aufstieg zum Pass gibt noch ein letztes Mal einen traumhaften Blick zurück auf die Dientes.

Man kann sagen, dass wir dieses Bild etwa in der Mitte einmal von links nach rechts und zurück durchwandert haben. Das war unser Umweg 🙂 wobei es hierbei keinen „Weg“ gab. Als wir nach 300 Höhenmetern fast den Pass erreicht haben, treffen aus Westen und aus Osten die sich bereits ankündigenden Regenfronten über uns zusammen. Erst regnet es noch aus Osten auf uns herab, 5 Minuten später aus Westen und noch etwas später hagelt es dann. Vermutlich der Regen, der durch das Aufeinandertreffen der Fronten zunächst einmal in höhere Regionen ausweichen musste, bevor er uns den Passanstieg vollends schwer machen kann. Schließlich haben wir durch den Umweg schon 6 ½ Stunden in den Beinen. Kekse und Schokoriegel werden nun eben im Regen verteilt und im Gehen gegessen. Wir brauchen neue Kräfte für den ebenso steilen Abstieg.

Immerhin endet das Schauspiel auch so abrupt wie es begonnen hat, so dass wir beim Abstieg zu unserem dritten Rastplatz das lange Geröllfeld ohne weitere Dusche besser voran kommen. Allerdings straft uns das Wetter bei Ankunft noch einmal mit Regen, so dass wir gerade noch unsere Zelte aufbauen können, bevor es wieder richtig los geht. So muss eben im kleinen Zelteingang gekocht werden, was uns nicht davon abhält unsere Kalorienvorräte wieder aufzufüllen. Ein ums andere Mal stellen wir fest, dass wir absolut glücklich sind über die Verlässlichkeit unserer Ausrüstung. Unsere vorab gut gewachsten Bergstiefel sowie unser Regenschutz halten dicht und unsere Schlafsäcke sorgen nachts dafür, dass sich der Körper gut gewärmt erholen kann. Vielleicht mag das dem einen oder anderen Leser etwas überzogen klingen, wenn man allerdings auf diese Dinge tatsächlich reduziert ist, lernt man unter diesen Bedingungen seine Ausrüstung wirklich einmal kennen und schätzen. Schließlich gibt es hier keine schützende Almhütte, die Radler und Schlachtplatte serviert 🙂 auch wenn wir das sicherlich geschätzt hätten, wenn verfügbar.


Gut ausgeruht und bei teils sonnig, teils bewölktem Wetter, beginnen wir den letzten und leichtesten Teil – den Abstieg hinunter an den Beagle Kanal und zurück nach Puerto Williams. Zunächst geht es durch dichtes Gestrüpp und Wald….

….dann eröffnet ein Aussichtspunkt den Blick auf Puerto Williams ostwärts.

Entlang der Küstenstraße des Beagle marschieren wir noch weitere 1 ½ Stunden bis zum Ziel. Bevor wir uns in das ersehnte Hostel begeben, genehmigen wir uns noch ein Hähnchen mit Fritten und Bier in dem fast einzigen Dorfrestaurant. Neben den hier lebenden 2000 Einwohnern, gibt es hier einen kleinen Yachthafen, an dem sich Weltumsegler und Kap Horner und Antarktissegler treffen. Dazu im nächsten Eintrag mehr.

Zurück im Hostel eröffnet sich nochmals ein Blick zurück auf die Dientes, die wir in 4 Tagen umrundet haben und während dessen wir die Natur und das Klima Feuerland eingehend kennen lernen durften. Jetzt werden erst einmal 4 Säcke Wäsche abgegeben.
Der Name Feuerland kommt übrigens von den unzähligen Feuern, die die ersten Seefahrer hier überall entlang der Ufer brennen sahen. Sie stammten von den Ureinwohnern, die diese ständig am Brennen hielten. Es gab Stämme die, wie z. B. die Yaghan, fast völlig nackt hier lebten, was sie offenbar über eine etwa 2 Grad höhere Körpertemperatur und über 6000 Kcal pro Tag Nahrungsaufnahme bewerkstelligten. Insoweit sind wir schon ziemlich verweichlicht bei der ganzen benötigten Ausrüstung – schließlich ist gerade Sommer hier 🙂 wenngleich sich zum Zeitpunkt des Blogeintrags die Berge rund um den Beagle – so auch unser Track – in deutlich sichtbare weiße Watte namens Schnee einhüllen. Und zwar bis auf eine Höhe von 400m herunter. Gut, dass uns das erspart blieb.
