22 02 2012

Seitdem wir vor etwas über einer Woche Feuerland verlassen haben, sind wir dabei Patagonien kennenzulernen. Patagonien ist, wenn man so will, der übrige Südzipfel von Südamerika ohne Feuerland, wobei „Zipfel“ deutlich untertrieben ist. Genau festgelegt ist das Gebiet unseres Wissens nach nicht, es beginnt auf Chilenischer Seite irgendwo unterhalb von Puerto Montt und beinhaltet auch den Argentinischen Teil bis an die Südatlantikküste. In der südlichen Andenregion, auf überwiegend Chilenischer Seite liegt das Südpatagonische Eisfeld, das eine unglaubliche Masse an Gletschern speist und an dessen Rand bizarre Felsformationen stehen. Ein Traum für alle Wanderer, Kletterer und Hochgebirgsalpinisten. Besonders hoch liegt die ganze Region zwar nicht, der Monte Fitz Roy, als der höchste Berg Südpatagoniens, kommt gerade einmal auf 3.406 Meter, dafür laufen die Gletscher aber auch bis ins Meer.

 

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Die ganze Region (Patagonien und Feuerland) ist nicht zuletzt auch deswegen faszinierend, weil man ständig auf historische Namen oder Begebenheiten stößt, während man selbst – so geht es uns jedenfalls – nicht wirklich viel über die unglaubliche Geschichtsträchtigkeit dieser Region weiß. So z. B. der Kommandant Robert Fitz Roy, der mit Charles Darwin 5 Jahre lang auf der HMS Beagle (daher der Beagle Channel) Forschungsexpeditionen durchgeführt hat und Darwins Theorien kontrovers mit ihm diskutiert hat – zu einer Zeit, in der ein Indioleben, sorry, nur eine Kugel wert war. Die Magellanstraße und Francis Drake Passage, beides Weltumsegler (tot oder lebendig) auf der Suche nach West-Zugängen nach Indien bzw. den Gewürzinseln, hatten wir bereits erwähnt. Dann sind da noch die britischen Falkland Inseln, die Argentinien heute noch als Staatgebiets auf jeder offiziellen Karte und auch an ländlichen Grenzübergängen mit dem Hinweisschild (Las Malvinas son Argentinas) ausweist. Deutsche Zerstörer haben sich zwischen den unzähligen Argentinischen Inseln während des zweiten Weltkriegs vor den Briten versteckt. Und momentan haben wir uns ein Buch auf unsere Kindles geladen, das vom „Niedergang“ der Argentinischen Wirtschaftsmacht der 20iger Jahre bis heute erzählt, um zu verstehen, was in dieser kurzen Zeit die Wirtschaftskraft dieses so unglaublich stolzen Landes, das zwischenzeitlich auch massiv von linksradikalem Terror und verschiedenen Militärregierungen geprägt war, so zerstört hat. Vermutlich ist auch deshalb alles Umgebende so spannend, weil man aus Europa zu selten auf diese „mysteriöse“ Region blickt und weil die Geschichte über Ureinwohner und Entdecker bisweilen noch gar nicht so besonders alt ist.

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Von Punta Arenas kommend wollten wir jedenfalls mit einem 8-Tages-Track das sehr bekannte Gebiet um die Torres del Paine durchwandern. Da allerdings die Tageshöchsttemperatur von einem auf den anderen Tag von 20° auf 10° absackte, nachts bis auf 3°, und Windstärke 5 und stärkerer Regen gemeldet wurde, hatten wir uns schon fast damit abgefunden, dass wir die Torres nicht sehen werden und sind weiter an den Perito Moreno Gletscher gefahren. Obwohl wir von Feuerland aus bald 1.000 km weiter nördlich liegen, hat sich das raue und wechselhafte Klima nicht sonderlich verändert. Es wird uns schlagartig wieder bewusst, dass wir noch lange nicht in klimatisch stabilen Regionen angekommen sind, was auch in den nächsten Beiträgen nochmals ersichtlich wird.



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